VON DEN MÄUSEJÄGERN

Stand: 21.04.2020

Maine Coon Hobbyzucht seit 2015 im Bergischen Land

info@IrishCoon.de
Mit freundlicher Genehmigung von www.peppermountz.de
Und es begab sich zu der Zeit, als die Maine Coon-Szene in Deutschland noch polyfrei war … Nein, keine Angst, dies wird keine Weihnachtsgeschichte. Es wird die Geschichte meiner Polyzucht und vom Zusammenleben mit meinen Tieren. Ich kann auch nur darüber schreiben, was ICH in den 16 Jahren Polyzucht erlebt habe und nicht, was andere meinen, wissen oder mal gehört haben. Der Anfang Alles begann mit einem Video aus Dänemark. Eine befreundete Züchterin interessierte sich für ein Kitten aus einer dänischen Zucht und hatte sich Infomaterial schicken lassen. Ich sah mir das Video an und da war sie: Cozyfarms Magnificant Polly, eine 11 Monate alte Polykatze in rot. Ein Traum, ich konnte mich gar nicht sattsehen an diesen anmutigen Bewegungen, den dicken Pfoten und dem clownhaften Wesen dieses Tieres. Nachdem ich dieses Video immer und immer wieder angesehen hatte, war ich infiziert und es war mir klar, dass solch eine Katze bei mir einziehen würde. Zu der damaligen Zeit gab es noch keine Polycoons in Deutschland und alle rieten mir ab, auch damals gab es schon Leute, für die es an Hexenverehrung grenzte, wenn man sich für eines dieser Tiere interessierte. Da ich aber noch nie extrem viel auf andere Meinungen gegeben habe, begann ich, mit verschiedenen Züchtern in Dänemark Kontakt aufzunehmen. Nach einem Jahr Wartezeit kam ein Brief mit Bildern. Mir wurde eine blacksmoke Polycoon aus der Zucht von Hanne Engermann angeboten. Sie war auf den Bildern 14 Wochen alt und abgabebereit. Ich konnte kaum die Tage abwarten, bis wir endlich nach Dänemark fuhren und ich sie im Arm halten konnte. Und so kam es, dass Mega Xanadu nach Deutschland kam, die erste Zucht-Polycoon überhaupt. Der erste Polywurf Nach etwas über einem Jahr war es dann soweit, Xanadu war gedeckt und wir warteten voller Spannung auf den Wurf. Würden Polys dabei sein? Sind sie alle gesund? Dann kam der große Augenblick und unsere Xanadu bekam ihre Babys. Es waren fünf Stück, zwei davon Polys. Alle waren gesund und entwickelten sich super. Damals gab es noch keine Homepages und man war nur auf Anzeigen und Ausstellungen angewiesen, um seine Tiere zu verkaufen. Inserieren konnte ich die Polys nicht also wartete ich ab, was die Interessenten sagen würden, die zu uns kamen. Und es begann ein Boom um die Polys, wie ich ihn mir nicht zu träumen gewagt hätte. Ich hatte sehr viele Interessenten und Vorbestellungen und wer eine Poly von mir gekauft hatte, kaufte garantiert noch eine weitere. Polys und Ausstellungen Ich will gleich zum Thema kommen: Ich habe in all den Jahren nie eine Poly ausgestellt (nein, stimmt so nicht, ich habe Achilles ausgestellt und zum Champion gemacht, er hatte hinten an einer Pfote eine Zehe mehr, was natürlich keiner sehen konnte). Allerdings haben es einige meiner Kittenkäufer gemacht mit mehr oder weniger großem Erfolg. Das ging über Disqualifizierungen bis hin zur Best in Show. Irgendwann war es dann mal soweit, dass ein MC-Richter zu einem Aussteller sagte „oh, Sie haben eine Peppermountz-Katze? Und was macht man bei Peppermountz-Katzen als erstes? Man guckt nach den Zehen!“ Noch heute amüsieren wir uns darüber. Inzwischen ist es ja so, dass Polys teilweise ausgestellt werden dürfen aber damals war das halt immer ein Risiko. Im schlimmsten Fall hätte man die Ausstellung sofort verlassen müssen. Peppermountz-Polys und der Verkauf an andere Züchter Man behauptet teilweise, ich hätte alle Polys in die Zucht verkauft, die nicht schnell genug auf den Bäumen waren. So ist es sicher nicht aber ich habe mehr Polys als Zuchtkatzen verkauft als normale Coonies. Manchmal war es aber auch echte Pionierarbeit. Die erste Polykatze in England war aus unserer Zucht, Vanilla Sky of Peppermountz, eine Tortiesmoke. Und wer weiß, wie die Exportbedingungen nach England sind, kann sich vorstellen, dass das nicht so einfach war. Ich habe auch niemals meine Katzen in Flugzeuge gesetzt und in ein anderes Land geschickt. Ich habe immer erwartet, dass die Käufer zu mir kamen und ich sie kennenlernen konnte. Danach haben sie mit unserer Katze zusammen den Weg in die neue Heimat angetreten. Ich habe auch Polys nach Moskau und sogar Sibirien verkauft. Auch diese neuen Besitzer haben die Katzen bei mir abgeholt. Was ich aber niemals gemacht habe, weil ich es bei den Züchtern meiner Polys unterschrieben habe, dass ich einen Polykater in die Zucht verkauft habe. Einige werden jetzt sagen, doch bei Clevercoons war doch Socko. Stimmt aber Socko habe ich nicht verkauft sondern er sollte gegen einen weißen Polykater getauscht werden. Leider ist es dazu dann nicht mehr so direkt gekommen. Das große Tabu-Thema: Poly x Poly-Verpaarungen Ja, ich habe sie gemacht und ich will gleich vorweg sagen, dass ich wirklich etwas Angst davor hatte. Aber man ist ja kein Züchter, wenn man gewisse Sachen nicht ausprobiert. Daher entschloss ich mich, auch hier Vorreiter zu sein. Es war auch gleich eine Rückverpaarung vom Sohn auf die Mutter aber ich wollte es einfach wissen, ob es stimmt, dass sich die Zehen aufdoppeln, dass Missbildungen an den Pfoten auftreten, etc. All dieses ist nicht passiert. Es waren fünf Kitten, zwei davon ganz normale Polys, d. h. mit 6/6/4/4 Zehenanzahl, die anderen waren Nonpolys. Zwei der Nonpoly-Kitten sind allerdings in der ersten Woche gestorben. Ich habe dann später meinen Thyson zum Decken mit einer Polykatze freigegeben und auch hier waren keinerlei Missbildungen im Wurf und auch die Polys hatten ganz normale Zehenanzahlen – jedenfalls für Polys. Der Poly-Boom in Deutschland Irgendwann kamen dann natürlich auch andere Züchter auf die Idee, Polys zu züchten. Es fing eigentlich ganz langsam an und wie es geendet hat, sehen wir ja heute. Leider gab es auch hier wieder die schwarzen Schafe, die alles, was eine Zehe mehr hatte, sofort an den nächstbesten Züchter weiterverkauft haben. Hier wurde auch nicht nach dem Typ oder gesundheitlichen Problemen selektiert, für viele war es einfach eine neue Einnahmequelle, da sich ja die normalen Coonies nicht mehr so vermarkten ließen. Polys konnte man immer verkaufen. Auch hier kann ich nur für mich sprechen, ich habe keine Foundation-Polys gehabt, einfach, weil ich sie nicht so schön fand. Das ist natürlich relativ aber ich für mich habe die Polys aus den sog. Show-Linien bevorzugt. Ich brauchte für mich immer den Schönheitsfaktor, d. h., wenn ich morgens aufstehe und sehe meine Katzen an, müssen meine Augen lachen. Aber es gab dann bald eine neue Linie mit immer gleichbleibenden Zehenanzahlen, was bei meinen Würfen nie der Fall war. Bei mir war es immer eine Überraschung, wieviele Zehen und an welchen Füßen dabei waren. Auch hier hatte ich ganz unterschiedliche Ergebnisse. Ich hatte die „normalen“ Polys mit vorne jeweils einer Zehe mehr, aber auch mal nur hinten Poly, dann an jedem Fuß eine Zehe mehr, manchmal auch vorne zwei Zehen mehr. Egal, wie die Zehenanzahl auch war, sie hatten niemals Probleme mit den zusätzlichen Zehen. Ich habe auch, außer bei Thyson, niemals die Krallen schneiden müssen. Sie sind nicht eingewachsen. Nur bei Thyson muss ich so alle 6 – 8 Wochen die Kralle kürzen. Leider sitzen ja heute auch Polys in Tierheimen, bei der Maine Coon-Hilfe etc. Ich finde es ganz schlimm, dass es in so kurzer Zeit mit den Polys so weit gekommen ist. Damals waren es Besonderheiten, die man nicht dem erstbesten Käufer anvertraut hat. Aber so ist das leider, wenn Tiere in Mode kommen. Polys und Krankheiten: Der vielzitierte „Semilethal-Faktor“ Auch Polys werden krank. Im Laufe dieser langen Zuchtjahre lässt sich sowas natürlich nicht vermeiden. Auch meine Polykatzen sind krank geworden, sei es, weil sie HCM oder Krebs bekommen haben, weil Sie anfällig für Schnupfen waren und sie sind auch an FIP gestorben. Und es gab auch Kitten, die in der ersten Woche nach der Geburt gestorben sind. Ich habe natürlich Statistiken geführt, damit ich für mich einen Überblick hatte, was meine Tiere hatten, selbstverständlich nicht nur die Polys, auch die Nonpolys. Und ich kann für mich sagen, manche Verpaarungen hätte ich vielleicht nicht machen sollen aber was meine (und ich kann hier wirklich nur für mich sprechen) Polys auf keinen Fall hatten, ist der Semilethal-Faktor. Mit sowas hätte ich niemals leben können. Ich glaube, es macht keinem Züchter Spaß, wenn die Hälfte seiner Würfe stirbt. Es ist schon schlimm genug, wenn man ein krankes Kitten hat, um das man kämpft und verliert zum Schluss doch. Und von vornherein zu wissen, dass nur wenige Kitten überleben, dazu muss man schon sehr abgebrüht sein und ich unterstelle mal, dass kein seriöser Züchter solche Praktiken mitmachen würde. Im Laufe dieser Jahre habe ich 78 Polykatzen gezüchtet, die meisten Babys waren von Thyson. Und von ihm sind auch die meisten Kitten an Züchter gegangen. Das Zusammenleben mit den Polys Es wird ja immer behauptet, dass Polys einen besonderen Charakter haben. Ich kann das bestätigen aber ich kann nicht begründen, warum das so ist. Meine Polys haben niemals Probleme im Zusammenleben mit anderen Katzen gehabt und sie waren und sind einfach einzigartig. Mein Thyson z. B. würde sich niemals bei der Leckerchenvergabe irgendwo anstellen, er erwartet, dass ihm die Leckerchen vor allen anderen Katzen zugereicht werden. Viele Interessenten rufen mich an und fragen mich, was eine Poly ausmacht. Ich antworte dann immer: eine Maine Coon ist schon eine traumhafte Katze, die süchtig macht und eine Polycoon ist von dem allen noch etwas mehr. Was allerdings eine ganz furchtbare Unart der Polys ist, ist dieses Ausleeren der Wassernäpfe, was ihnen natürlich durch die größere Anzahl der Zehen noch besser gelingt, als den Normalfüßigen. Und zum Schluss noch: Ich habe inzwischen 25 Jahre Coonies gezüchtet und jetzt ist für mich der Moment gekommen, tschüss zu sagen zur Züchterszene. Ich habe schon vor Jahren gesagt wenn ich einmal aufhöre, möchte ich mein Züchterrentnerdasein mit ganz vielen dicken Polys beginnen. Und ich denke, hier bin ich jetzt auch. Ich habe meine traumhaften Polys: Thyson, Socko, Bacira, Piper, Moby Dick und Totilas und ich hoffe, dass sie noch lange gesund bleiben und mir den Alltag schöner machen. Und wenn ich irgendwann mal wieder eine Poly kaufen möchte, hoffe ich, dass ich eine finden werde, wo vielleicht ganz ganz hinten im Stammbaum noch meine ersten Polys drin sind, Xanadu, Jar Jar oder Thyson, die alle ein Stück Polycoon-Geschichte – nicht nur in Deutschland – geschrieben haben. Marion Peper Maine Coons und Polycoons of Peppermountz Since 1987